Der Leverage-Effekt

Der Leverage-Effekt bei Derivaten

Leverage-EffektDer sogenannte Leverage-Effekt ist nichts anderes als die Beschreibung der Tatsache, dass kleine Veränderungen große Wirkung haben können. Der Leverage-Effekt wird auch im Deutschen als „Hebelwirkung“ bezeichnet.

Gerade beim Handel mit Finanzderivaten können derartige kleine Veränderungen oftmals eine signifikante Auswirkung haben.

Dies trifft für den Handel mit allen Finanzderivate zu, sei es Optionsgeschäft, OTC-Handel, Termingeschäfte oder auch Swapgeschäfte.

Wann wird der Begriff Leverage Effekt eingesetzt?

Verwendet wird der Begriff „Leverage-Effekt“ vor allem in den Gesprächen über Kapitalstruktur sowie die Kostenstruktur und auch, wenn über Finanzderivate geredet wird. Er heißt entsprechend financial leverage und operating leverage.

Der Leverage Effekt einfach erklärt

Der Leverage-Effekt definiert sich also als Hebelwirkung von Kosten der Finanzierung des fremden Kapitals in Bezug auf die Verzinsung des Eigenkapitals. Es gibt auch bei Derivaten einen Leverage-Effekt.

Hier will das heißen, die Veränderung des erwirtschafteten Geldes und der Verluste ist höher als die Änderung des Basiswertes. Als Hebel fungiert hier die Anzahl der Optionen, die ein Käufer für den aktuellen Kurs des Basiswertes erstehen kann.

Die Finanzanalyse beschriebt mit dem Leverage-Effekt also den Grad der Verschuldung eines Unternehmens in Bezug auf Höhe und Variabilität der Rentabilität des Eigenkapitals.

Der Hebel ergibt sich somit bei Derivaten aus dem aktuellen Preis der Option geteilt durch den aktuellen Kurs des Basiswerts. Falls sich die Option auf einen Bruchteil oder ein Vielfaches der Option bezieht, dann muss dieser Faktor natürlich in der Rechnung berücksichtigt werden.

leverage effekt formelUm den Leverage-Effekt bzw. die Hebelwirkung zu verdeutlichen, kann als Beispiel die Annahme herangezogen werden, dass die Aufwendungen, die für Fremdkapital aufgebracht werden müssen in Bezug auf die Verzinsung, die auf das Eigenkapital erfolgt, niedriger sind.

Genau in diesem Fall setzt ein Leverage-Effekt bzw. eine Hebelwirkung ein. Denn die Rendite des Eigenkapitals kann durch den Einsatz des Fremdkapitals gesteigert werden.

Allerdings wird ein Anleger von dem Leverage-Effekt nur solange profitieren können, wie das Fremdkapital zu günstigeren Konditionen bezogen werden kann, als die Gesamtrentabilität der Investition ist.

Gerade auch im Optionsscheinhandel spielt der Leverage-Effekt ein wichtige Rolle.

Bezugsverhältnis

In diesem Zusammenhang ist gerade das Bezugsverhältnis von außerordentlicher Bedeutung. Dieses gibt nämlich an, wie viele Optionsscheine jeweils nötig sind, um eine Einheit des Basiswertes zu kaufen.

Die Ratio ist bei Optionen das Verhältnis von Wert der Basis pro Optionsschein. Die Ratio gibt also ganz einfach an, wie viele Optionen nötig sind, um einen Basiswert zu erstehen.

Im Aktienrecht, welches die Pflichten und Rechte von Kapitalgesellschaften reguliert, ist es das Recht eines Altaktionärs neue, junge Aktien zu kaufen, bezugnehmend auf die Anzahl und Wertigkeit der Aktien, die er bereits hält.

Das Aktiengesetz

Das Aktiengesetz wurde im Jahre 1966 eingeführt, es löste das überkommene Gesetz über Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien ab.

Wenn die Verzinsung des EK durch Hinzukauf von fremdem Kapital erhöht wird, weil die Rendite des Eigenkapitals höher ist, als es die Kosten für fremdes Kapital sind, ist dies der Leverage-Effekt.

Wenn also die Gesamtkapazität des Kapitals höher ist als der Zins für fremdes Kapital, wird durch den Leverage-Effekt die Rendite des Eigenkapitals erhöht, obwohl die Verschuldung eigentlich steigt.

Der negative Leverage Effekt

Natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall, den negativen Leverage-Effekt. Sind die Kosten für das Fremdkapital höher als die Rendite des Eigenkapitals, zehrt dies das Eigenkapital natürlicherweise auf.

Hier kommt der schwer verständliche Begriff Kapitalstrukturrisiko neben dem Theorem „Modigliani-Miller These zur optimalen Kapitalstruktur“ ins Spiel.

Grenzen des Leverage Effekts konkretisiert

Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu führen, dass der Leverage Effekt an seine Grenzen stößt:

  1. Je höher die Verschuldung ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass Fremdkapitalgeber zusätzliche finanzielle Mittel nur noch zu deutlich höheren bzw. steigenden Zinssätzen bereitstellen. Das Resultat: der Leverage Effekt schwächt sich deutlich ab.
  1. Eigenkapital kann nur bis zu einem bestimmten Grad durch Fremdkapital ersetzt werden. Ist ein gewisser Punkt überschritten, der generell von dem bestimmt wird, was allgemeinen Konventionen entspricht, werden Kapitalgeber  schon allein aus Risikogesichtspunkten kein weiteres Fremdkapital zur Verfügung stellen.
  2. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, dass ein negativer Leverage Effekt aufgrund einer umgekehrten Hebelwirkung einsetzt. Hierdurch kann die Existenz eines Unternehmens gefährdet werden. Zu einem negativen Leverage Effekt kann es kommen, wenn die Differenz zwischen Fremdkapitalzins und Gesamtkapitalrentabilität derart groß wird, dass es nicht mehr möglich ist, Verluste „aufzufangen“.

Ursachen für einen negativen Leverage Effekt sind mannigfaltig. Sie reichen von einer nicht günstigen Entwicklung der Beschaffungs- bzw. Absatzmärkte bis hin zu Schwierigkeiten bei einer Anschlussfinanzierung zum Beispiel durch deutlich höhere Zinssätze.

Der Leverage Effekt: Eine kurze Video Erklärung

Der Leverage Effekt und die Finanzkrise

Mit geliehenem Geld noch mehr Geld zu verdienen und somit den Leverage-Effekt maximal auszunutzen, dies ist das Ziel jedes Spekulanten. Diese Methodik hat gerade im Kapitalismus durchaus seine Berechtigung.

Problematisch wird es erst, wenn die Einstellung ins Extreme geht. „Extrem“ bedeutet in diesem Fall: die Verschuldung wird nicht als Notwendigkeit in Kauf genommen, um Unternehmen zu finanzieren, sondern dient vielmehr der reinen Spekulation.

Die Logik, die hinter der Methodik steckt, ist auch einfach nachzuvollziehen, denn wenn ich mir Geld ausleihe und mit jedem geliehenen Euro durch Zinsen und Rendite Gewinne erziele, dann ist es effektiv, so viel Geld zu leihen als möglich.

Denn nur so kann ich theoretisch maximale Gewinne erwirtschaften. Es liegt hier ein Leverage-Effekt sprich eine Hebelwirkung in Bezug auf den Verschuldungsgrad vor.

Denn je mehr ich mich verschulde, desto größer werden meine Gewinne.

Doch liegt es auf der Hand, dass dies Vorgehensweise auch schnell ins Gegenteil umschlagen kann. Denn das Prinzip funktioniert nur solange wie zwischen Fremdkapitalzins und Gesamtkapitalrendite eine positive Differenz besteht.

Steigen zum Beispiel Zinsen auf geliehenes Kapital, dann kann es schnell passieren, dass mit jedem geliehenen Euro Verluste entstehen. Denn auch hier gilt dasselbe wie für den positiven Leverage-Effekt – nur, dass er in diesem Fall umgekehrt ist.

Tritt diese Situation ein, spricht man von einem negativen Leverage-Effekt. Das dies schnell zum persönlichen finanziellen Ruin oder zum Ruin eines Unternehmens führen kann, ist offensichtlich.

Die Methodik kann zu Massenpleiten und anderen finanziellen Katastrophen führen

Leverage Effekt HebelwirkungZur großen Katastrophe kommt es, wenn, wie es zu Beginn der großen Finanzkrise der Fall war, als der amerikanische Immobilienmarkt zusammengebrochen ist, die Erwartungen von zwei Parteien enttäuscht werden.

Auf der einen Seite stehen die Spekulationsobjekte, die andauernd hohe Renditen abwerfen, auf der anderen Seite stehen die Kosten für die Finanzierung von Fremdkapital.
Gerät das Verhältnis aus dem Gleichgewicht, dann sind Massenpleiten die Konsequenz. So wie es auch auf dem amerikanischen Immobilienmarkt der Fall war. Wie beim Dominoeffekt, zieht dann die eine finanzielle Katastrophe die nächste nach sich.

Genau aus diesem Grund ist es auch dringend erforderlich, dass die Eigenkapitalanforderungen strenger gehandhabt und kontrolliert werden.