Termingeschäft

Was versteht man unter einem Termingeschäft?

TermingeschäfteTermingeschäfte fallen genau wie Swapgeschäfte oder auch Optionsgeschäfte unter die Finanzderivate. Termingeschäfte können entweder im OTC Handel, also over-the-counter Handel, durchgeführt werden oder an der Börse.

Signifikant für das Finanzderivat Termingeschäft ist, dass die Lieferung bzw. Abnahme von Devisen, Wertpapieren oder die Lieferung einer Ware oder die Erfüllung eines Vertrages erst zu einem später festgelegten Zeitpunkt stattfindet. Bei diesem festgelegten Termin in der Zukunft wurde aber bereits ein Kurs am Abschlusstag des Geschäfts festgesetzt.

Rechtliche Regelungen zu Termingeschäften finden sich in den Sonderbedingungen für Termingeschäfte des WpHG  und natürlich im Wertpapierhandelsgesetz selbst in den §§ 37e und g.

Was ist ein Termingeschäft genau?

Kurz gefasst kann der Begiff „Termingeschäft“ wie folgt definiert werden.

Unter einem Termingeschäft versteht man:

  • eine Verpflichtung, die für beide Vertragsparteien bindend ist
  • die Verpflichtung bezieht sich auf die Abnahme bzw. Lieferung  einer bestimmten Warenmenge oder
  • der Lieferung einer Ware in einer bestimmten Qualität
  • der Zeitpunkt wurde im Vorfeld festgelegt
  • ebenfalls wurde der Preis im Vorfeld festgesetzt

Historische Fakten

In Deutschland wurden Termingeschäfte 1931 verboten. Erst 39 Jahre später, nämlich 1970, wurden Termingeschäfte in der Form von Optionsgeschäften auf Aktien an den Börsen wieder zugelassen. 1990 wurde in Deutschland die Terminbörse EUREX etabliert. An der EUREX können Termingeschäfte der verschiedensten Art abgeschlossen werden. Neben der EUREX finde sich in Deutschland weitere Terminbörsen. Zu nennen sind hier die Risk Management Exchange AG (RMX) in Hannover und die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig.

Die weltweit größten Terminbörsen

NameDetailsKürzel
EUREXEine der welweit größten Terminbörsen für Finanzderivate.EUREX
Chicago Mercantile ExchangeNicht nur eine der größten Terminbörsen, sondern auch eine der ältesten weltweit.CME
Chicago Board of TradeTeil der CME Group und älteste Terminbörse der Welt.CBoT
London International Financial Futures ExchangeLiffe gehört zum Zusammenschluss der New Yorker Börse, in der durch eine Fusion auch der Pariser Handel an der Euronext aufgegangen istLIFFE

Nachdem ein Großteil der Marktteilnehmer und der Erzeugnisse eine geographische Nähe aufweisen,  hat sich jede der genannten weltweit größten Terminbörsen auf eigene Basiswerte spezialisiert.

Die Terminbörsen in  New York und Chicago sind die weltweit umsatzstärksten Terminbörsen.

Neben Indizesfutures und Währungsfutures sind gehandelte Basiswerte hauptsächlich wertvolle Rohstoffe wie Öl, Silber und Gold. Auch Termingeschäfte mit Massenwaren wie Fleisch, Baumwolle, Soja und Getreide werden hier gehandelt.

Die Eurex ist 1998 aus dem Zusammenschluss der Deutschen Terminbörse, und der SWX Swiss Exchange entstanden. Die Eurex bietet ein umfassendes Angebot an Zins-, Aktien. EFTs- und Volatilitätsderivatne an.

Unbedingte und bedingte Termingeschäfte

Termingeschäfte lassen sich in zwei Untergruppen aufteilen. Zum einen die unbedingten Termingeschäfte, die auch feste Termingeschäfte genannt werden und die bedingten Termingeschäfte.

Was versteht man unter einem unbedingten Termingeschäft?

Zu den unbedingten Termingeschäften gehören die OTC (over-the-counter) gehandelten Forwardgeschäfte sowie die an der Börse gehandelten Futures. Typisch für ein unbedingtes Termingeschäft ist, dass hier für beide Parteien Pflichten am vereinbarten Termin vorgesehen sind.

Beispiel für unbedingte Termingeschäfte:

Währungsfutures

Bei einem Währungsfuture besteht eine Verpflichtung beider Vertragspartner zum Kauf oder auch natürlich zum Verkauf. Die Konditionen werden im Falle von Währungsfutures nicht  individuell zwischen Käufer und Verkäufer festgelegt. Sie stehen bereits fest.

Devisentermingeschäft

Beim Devisentermingeschäft besteht zwischen Käufer und Verkäufer eine Verpflichtung zum Kauf oder Verkauf. Hier werden die Kondition individuell zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt.

Was versteht man unter einem bedingten Termingeschäft?

Im Gegensatz zum unbedingten Termingeschäft steht das bedingte Termingeschäft. Hier hat ein Vertragspartner das Recht, das Geschäft verfallen zu lassen. Als Beispiel für bedingte Termingeschäfte sind Optionen zu nennen.

Beispiel für ein bedingtes Termingeschäft:

Währungsoption

Der Käufer der Option hat das Recht, einen festen Betrag innerhalb einer bestimmten Frist zu einen festgelegten Wechselkurs zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

Sinn und Unterteilung von Termingeschäften

Ein Termingeschäft kann den unterschiedlichsten Zwecken dienen. Es ist durchaus möglich, dass es aus einem  für die Volkswirtschaft berechtigtem Interesse ausgeführt wird. In den meisten Fällen jedoch dient das Termingeschäft der Arbitrage, dem Hedging oder der Spekulation.

Dabei werden Termingeschäfte in der Regel in drei Kategorien unterteilt, die auf ihrer Erfüllungsabsicht basieren:

  • Börsentermingeschäfte: Im Rahmen der Glattstellung ist hier eine Erfüllung durch ein Gegengeschäft möglich

-> Jede der Vertragsparteien kann seiner Leistungspflicht nachkommen. Dies geschieht durch ein Gegengeschäft. Es ist auch möglich ein Börsentermingeschäft durchzuführen, bei dem eine Vertragspartei auch ohne Gegengeschäft an der Erfüllung interessiert ist.

  • Differenzgeschäfte:  Bei einem Differenzgeschäft besteht kein Interesse in den Besitz eines Handelsobjekts zu gelangen. Vielmehr erstatten die Vertragspartner die Differenz.

-> Beim Differenzgeschäft steht allein der Gewinn im Vordergrund. Die Vertragsparteien haben hier keinerlein Interesse am Basiswert. Heutzutage sind Differenzgeschäfte oftmals als sogenannte offene Differenzgeschäfte gestaltet. Auf diese Weise ist keine Glattstellungsmöglichkeit durch ein etwaiges Gegengeschäft von Nöten.

  • Lieferungsgeschäfte: hier ist eine tatsächliche Erfüllung angestrebt. Die Erfüllung vollzieht sich durch einen gegenseitigen Leistungsaustausch beider Vertragsparteien.

–> die Vertragspartner sind beide an einer Erfüllung der vereinbarten Leistung interessiert. Die Leistung ist gegenseitig.

Das Risiko bei Termingeschäften

Mit Termingeschäften verbunden sind etliche große Risiken verbunden wie ein Totalverlust, das Risiko der Hebelwirkung bzw. Leverage-Effekt und die Wahrscheinlichkeit noch zusätzliche finanzielle Mittel einsetzen zu müssen, die so nicht eingeplant waren. Die genannten Risiken liegen darin begründet, dass ein Termingeschäft aufgrund der Tatsache, dass der Erfüllungszeitpunkt in der Zukunft liegt, zur Spekulation verleitet. Denn die Entwicklung des Marktpreises ist völlig offen. Die Entwicklung kann zwar günstig verlaufen, doch selbstverständlich ist ebenso eine negativ Entwicklung nicht wirklich absehbar.

Termingeschäfte für Privatanleger

Termingeschäfte PrivatanlegerAuch bei Privatanlegern werden Termingeschäfte, sprich der Handel mit Futures, immer beliebter. Allerdings sind Termingeschäfte als ausgesprochen riskant einzustufen.

Denn aufgrund der Tatsache, dass die Preise bereits im Vorfeld festgelegt werden, sind Termingeschäfte für Privatanleger nur schwer zu kalkulieren.

Gerade beim Terminhandel mit Rohstoffen müssen Faktoren berücksichtigt werden wie Angebot und Nachfrage und auch äußere Umstände wie Ernteausfälle, politische Spannungen oder Naturkatastrophen stellen Risikofaktoren bei der Preisentwicklung dar, die von außen nicht beeinflusst werden können und zumeist nicht vorhersehbar sind.

Termingeschäfte zählen somit zu den spekulativsten Anlagemöglichkeiten. Im Gegenzug ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, dass mit Termingeschäften innerhalb kurzer Zeit extrem hohe Gewinne erzielt werden können.

Um effektiv am Terminhandel zu partizipieren sind nicht nur Börsenkenntnisse erforderlich, sondern auch Marktkenntnisse sowie ein relativ hohes Kapital. Das eingesetzte Kapital sollte in jedem Fall als Risikokapital angesehen werden. Ein Totalverlust muss einkalkuliert werden.

Termingeschäfte an der Börse handeln

Schließt man Termingeschäfte an der Börse ab, dann geht es hier darum, aus einer zukünftigen Entwicklung von Basiswerten Gewinne zu erzielen. Es wird somit auf eine bestimme Kursentwicklung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gesetzt wie zum Beispiel 4 Wochen.

Man entscheidet sich hierbei entweder für eine Long-Position (Kaufposition) oder eine Short-Position (Verkaufsposition). Das außerordentliche Risiko besteht dabei darin, dass der Einsatz dem Leverage Effekt unterliegt, also der Hebelwirkung.

Setzt man zum Beispiel einen Betrag von 1000 Euro, dann handelt man unter gewissen Umständen mit faktisch 100,000 Euro. Kommt es zu einem Verlust, dann muss diese Differenz des Preises ersetzt werden.

Die Verluste berechnen sich auf Anteile, die sich, zieht man das angeführte Beispiel heran, auf 100,000 Euro beziehen. Ein Totalverlust ist damit nicht auszuschließen.

Dieses Risiko muss unbedingt einkalkuliert werden. Hinzugefügt muss werden, dass beim Abschluss des Termingeschäfts lediglich eine Gebühr fällig wird. Der Preis wird erst fällig, wenn die Option abläuft.

Termingeschäftsfähigkeit

Damit eine Privatperson Termingeschäfte tätigen kann, muss die sogenannte Termingeschäftsfähigkeit erlangt werden. Um die Termingeschäftsfähigkeit zu erhalten, muss eine umfassende Aufklärung  über die Risiken von Termingeschäften durch den Broker oder durch einen Bankberater erfolgen.

Das größte Risiko bei Termingeschäften liegt darin begründet, dass es sich hierbei, wie weiter oben bereits angesprochen, um sogenannte Hebelprodukte handelt. Durch den Leverage Effekt (Hebelwirkung) kann es schnell zu einem Totalverlust kommen.

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